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19.11.2017 RK Selb-Schönwald 19.11.2017 Gedenkfeier zum Volkstrauertag am Denkmal am Goldberg in Selb Der gestrige Volkstrauertag gedachte den Toten, die ihr Leben durch Krieg, Gewalt und Terror auf der ganzen Welt verloren haben. Vor allen den gefallenen Soldaten und den vielen zivilen Opfern der beiden Weltkriege sowie dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Zweite Bürgermeisterin Dorothea Schmid begrüßte alle anwesenden Gäste zum Volkstrauertag am Denkmal am Goldberg. Nach der musikalischen Begrüßung durch den evangelischen Posaunenchor sprach Konrad Scharnagl zum Volkstrauertag. „Trauer lässt sich nicht staatlich verordnen, sie ist ein sehr persönliches Gefühl. Doch gemeinsame Rituale bringen zum Ausdruck, dass niemand mit seiner Trauer allein sein muss. Der heutige Volkstrauertag schützt uns davor, die Toten einfach zu vergessen. Die Menschen, die in den beiden Weltkriegen starben, wurden Opfer einer barbarischen Zeit. Der Volkstrauertag erinnert uns an die Aufgabe, die sie uns hinterlassen haben, damit ihr Tod nicht sinnlos war. Sie mahnen uns, uns für eine Welt einzusetzen, in der Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit herrschen. Dies ist Aufgabe, heute, morgen und übermorgen“, so Konrad Scharnagl, VdK Kreisvorsitzender Wunsiedel, bei seiner Rede am Volkstrauertag am Denkmal am Goldberg. „55 Millionen Menschenleben wurden alleine im 2. Weltkrieg ausgelöscht und drei Millionen deutsche Soldaten starben und eine Millionen gelten als vermisst. Der Krieg ließ außerdem 2,5 Millionen Kriegswaisen in Deutschland zurück. Dass es seit Ende des 2. Weltkrieges auf deutschem Boden keine kriegerischen Auseinandersetzungen mehr gegeben hat, darüber können wir alle mehr als nur dankbar sein. Selbstverständlich ist es jedenfalls nicht, im eigenen Land in Frieden leben zu dürfen“ fuhr Scharnagl fort. „Demnach zählte das Heidelberger Institut für international Konfliktforschung im Jahr 2016 weltweit 226 gewaltsam ausgetragene Konflikte. Die Dimension einer kriegerischen Auseinandersetzung erreichten achtzehn davon. Kriegsherd sind vor allem in Afrika zu finden, etwa im Sudan oder Somalia und Syrien ist derzeit das Sinnbild eines mörderischen Bürgerkriegs. Aber auch auf europäischen Boden können Konflikte eskalieren, wie das Beispiel der Ukraine zeigt“ so Scharnagl weiter. Opfer von Kriegen sind oft Unschuldige. Allein im Jahr 2016 kamen in Afghanistan 11400 Zivilisten durch militärische Angriffe, Selbstmordattentate und Sprengfallen ums Leben. In den Nachrichten haben wir uns längst an Meldungen aus diesem Krieg gewöhnt. Seit 1978 schwelen dort die Konflikte, seit 2001 dauert bereits der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten, den die Welt seit dem Dreißigjährigen Krieg erlebt hat. Und weil die Bundeswehr im Rahmen ihrer Auslandseinsätze unmittelbar in Konfliktgebieten eingesetzt ist, können wir auch nicht mehr so leicht sagen, dass uns diese Kriege nichts angingen. „Der Friede ist das Meisterwerk der Vernunft“, lautet ein Zitat von Immanuel Kant. „Und tatsächlich wäre es vernünftiger, wenn Kinder überall auf der Welt unbeschwert zur Schule gehen dürften, wenn Familien sich eine eigene Existenz in ihrem Land aufbauen könnten und wenn Versöhnung statt Terror die Weltreligionen verbinden würde. In einem friedlichen Land zu leben, bedeutet materielle und persönliche Sicherheit, bedeutet, für die eigene Zukunft Pläne machen zu können. Leider hat der Krieg des 21. Jahrhunderts einen neuen Namen „Terror“. Die Methoden, dagegen anzugehen, erweisen sich als unzureichend. Schon der Begriff „Krieg“ gegen den Terror ist falsch. Er suggeriert, dass Soldaten die Lösung sind. Das ist aber, wie der Krieg im Irak bewiesen hat, eindeutig nicht der Fall. Nach dem Abzug der ausländischen Truppen 2011 kam es zu keiner Befreiung des Landes. Die Expansion des IS in der Irakkriese 2014 wird zum Teil als Folge des Irakkriegs bewertet. Und wenn jetzt Nordkorea mit der Atombombe hantiert und wenn sich US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un mit Verbalattacken verunglimpfen und Drohungen aussprechen, dann wächst die Angst vor militärischer Auseinandersetzung mit verheerenden Folgen. Hier ist diplomatisches Fingerspitzengefühl der Vereinten Nationen gefragt. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Deshalb müssen friedliche Lösungsvorschläge immer Vorrang haben“, so Scharnagl. „Gesellschaftlicher Zusammenhalt zu schaffen, ist eine der wichtigsten Aufgaben unserer Zeit. Toleranz, Mitmenschlichkeit, Respekt und Solidarität, diese wichtigen Grundwerte helfen, den inneren Frieden unseres Landes zu erhalten. Denn die Toten der Weltkriege, derer wir heute gedenken, sollten nicht umsonst gestorben sein. Krekan, ein junger Mann aus dem Irak und seit drei Jahren in Deutschland, schilderte den anwesenden Gästen am Denkmal, wie sich die Situation als Kurde in seinem Heimatland anfühlt, und wo man ständig mit der Angst um sein eigenes Leben konfrontiert ist. Er sprach seinen Dank dafür aus, dass er nun in Deutschland leben dürfte und so gut aufgenommen worden sei und in Frieden leben könne. Pfarrer Johann Klier erinnerte bei seiner Predigt an den vor 72 Jahren endeten Krieg, bei dem nicht nur ganze Städte in Schutt und Asche lagen. Auch Weltanschauungen und Ideologen waren zusammengestürzt. Er erinnerte in ganz besonderer Weise an das was gewesen ist und an all das heutige Leid, um auf dem richtigen Weg zu bleiben, um in der Zukunft keine falschen Wege zu gehen. Danach legte zweite Bürgermeisterin Dorothea Schmid und VdK Kreisvorsitzender Konrad Scharnagl im Denkmal Kränze nieder. Text/Bilder: Uwe von Dorn
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