RESERVISTEN BEZIRK OBERFRANKEN
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15.01.2018 Frankenpost/Vanessa Schweinshaupt Am Puls der Piloten Seit Jahren ist der Hofer Arzt Stefan E. Breit mit dem Luftwaffentransport geschwader 61 im Ausland unterwegs. Den Fly-Out-Flug nach Afrika begleitete er auf Wunsch des Kommandeurs. Hof - „Der Flug hat effektiv 54 Stunden gedauert und ging über 27.000 Kilometer. Aber mit so einem Oldtimer durch die Gegend zu fliegen, das war einfach nur schön“, schwärmt Stefan E. Breit, Allgemeinmediziner in Hof und Oberfeldarzt der Reserve der Bundeswehr. Der letzte Flug des Lufttransportgeschwaders 61 aus Penzing – im Bundeswehrjargon LTG 61 genannt – brachte den Fliegerarzt in einer Transall C-160 mit der dazugehörigen „Airline Transport Mission Order“ Nummer 008 einmal quer durch Afrika. Seit 1997 ist Breit bereits als Reservist bei der Bundeswehr tätig, sechs Afrikaeinsätze hat er zu verbuchen. Nachdem er sich als junger Mann selbst gegen eine aktive Karriere als Soldat entschieden hatte, „weil die Zulassung zum Medizinstudienplatz zwei Tage vor der zu leistenden Unterschrift zur Offiziersausbildung ins Haus flatterte“, durfte er nun den letzten Flug des Geschwaders vor seiner Auflösung begleiten. Seit dem 31. Dezember gibt es das LTG 61 faktisch nicht mehr. Zwar befinden sich noch rund 150 Soldaten am Standort, für „Aufräumarbeiten“, die Flugzeuge sind jedoch bereits an das Lufttransportgeschwader 63 im schleswig-holsteinischen Hohn abgegeben worden. Aufgrund der Umrüstung auf den deutlich größeren Airbus A400M musste der Fliegerhorst in Penzing mangels Ausbaumöglichkeiten dieser Alternative weichen. So nahm nach über 60 Jahren die Geschichte des LTG 61 ein Ende, das bereits vor medienwirksamen Einsätzen wie denen in Afghanistan, im Kosovo oder in Mali in den 1960ern Auslandseinsätze im Rahmen der Katastrophenhilfe geflogen war. Und der Hofer Oberfeldarzt der Reserve, Stefan E. Breit, war mit an Bord. „Da gibt es eine Vorschrift, dass Flüge immer ärztlich begleitet werden müssen. Und so bin ich als additional Crew Member neben drei Piloten, zwei Bordtechnikern, zwei Luftladungsmeistern (Loadmastern) und Warten mitgeflogen“, erklärt er seine Flugberechtigung. „Als Fliegerarzt erteilst Du die Flugfreigabe, also frei nach dem Motto: Soldat, du bist krank und darfst nicht fliegen oder Soldat, du bist gesund und kannst fliegen.“ Dabei sah es am Anfang gar nicht so aus, als könne er selbst beim Fly-Out dabei sein. „Mein Dienstpass ist im Mai abgelaufen und das BMVG (Anmerkung d. Red.: Bundesverteidigungsministerium) hat diesen vernichtet, aber im Geschwader nicht Bescheid gegeben. Also hatte ich keinen Dienstpass mehr und hätte in bestimmte Länder gar nicht auf Militärstützpunkte gedurft“, erklärt er die Umstände. Ghana sei als ein solches Land beispielhaft zu nennen. „Ergo sind wir umgeroutet worden und stattdessen nach Niamey geflogen. Das kam von der Geschwaderführung. Der Kommodore hat gesagt, der Breit fliegt als Arzt mit und sonst keiner.“ Und so flog der Hofer dann auch mit. Ab dem 14.11. ging es von Penzing nach Dschibuti, mit den Zwischenstationen Köln, Berlin, Orlean (Frankreich), Marrakesch (Marokko), Sal (Kap Verden), Dakar (Senegal), Niamey (Niger) (Anmerkung d. Red.: Dort ist das Feldlager der Bundeswehr für den MINUSMA-Einsatz, in der Gesellschaft besser bekannt als „Mali-Auslandseinsatz“), Kinshasa (Kongo) und Daressalam (Tansania). In Tansania musste die Crew große Holzkisten samt Inhalt abladen, um Kapazitäten für Fracht zu schaffen, die in Dschibuti (Dschibuti) aufgenommen wurde. Über Paphos auf Zypern kehrten die zehn Besatzungsmitglieder am 23.11. nach Landsberg am Lech (Penzing) zurück und meldeten Vollzug. Die vielen Zwischenstationen waren der geringen Reichweite der Transall und somit Tankaufenthalten geschuldet. Eine Transall kann bei 14 Tonnen Beladung 1200 Kilometer am Stück fliegen, bei 5 Tonnen schafft sie 3800 Kilometer. Im Vergleich dazu bringt es die neue A400M auf knapp 4500 Kilometer Reichweite bei einer Zuladung von 30 Tonnen. Wenn der Hofer Reservist an den Flug mit dem LTG zurückdenkt, dann erscheint ein Lächeln auf seinen Lippen. „Jedesmal wenn ich nach Landsberg fahre, ist es so als ob ich nach Hause fahre. Das ist mein Geschwader. Wie dieses Team zusammenarbeitet ist fantastisch. Wir sind während der Mission immer „on“ geblieben, also im Zeitplan“, erzählt er begeistert. Manche der Crewmitglieder kannte Breit nur als seine Patienten, aber auf einmal sei er selbst Teil der Crew gewesen. „Phasenweise war das auch stressig, der Zeitplan war sehr eng getaktet und ich als Arzt musste mit anpacken, obwohl mein Job ja ein anderer ist. Aber das schätze ich auch am Lufttransport, da wird stark autark gearbeitet. Ein Auftrag der erfüllt werden muss kommt rein und alles arbeitet zusammen, Hand in Hand. Das ist geil.“ Nur einmal während der neun Tage sollte er als Mediziner tätig werden, als einer der Loadmaster krankheitsbedingt ausfiel. „Interessant war in Niamey das Feldlager“, fährt er fort. „Also was man da den deutschen Soldaten zumutet, da zieh ich den Hut vor den Kameraden. Das sind wirklich primitive Verhältnisse. Und da rede ich nicht von den Umständen sich zu fünft ein Zelt teilen zu müssen und die Klimaanlage zu ertragen, die nachts einen solchen Radau macht, dass man kaum schlafen kann. Besonders die Flexibilität der Truppe hat mich überrascht.“ In Erinnerung geblieben sei ihm auch der Holzmarkt in Daressalam. Da nach sechs Tagen die Fliegercrew laut Fliegervorschrift einen Stehtag einlegen muss, hatte der Hofer Zeit sich in der größten tansanischen Hafenstadt umzusehen. „Afrika ist ein toller Kontinent, total faszinierend. In Daressalam war ich schon mehrmals, aber in Kinshasa noch nie.“ Am Ende seien alle trotz der Anstrengungen der Reise traurig gewesen. „Wir sind in Zypern noch in eine griechische Kneipe und da waren wir am Punkt „eigentlich sollte es nie vorübergehen“. Der letzte Einsatz ist der Fly-Out-Flug des LTG 61 für den Oberfeldarzt der Reserve aber nicht gewesen. Zum Jahresanfang wurde er umbeordert und gehört nun zum Zentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin in Fürstenfeldbruck. „Ich habe einen neuen Dienstpass beantragt bekommen und somit ist es wahrscheinlich, dass ich noch einmal mit der Bundeswehr ins Ausland fliege. Meine liebe Gattin unterstützt das Ganze und so wehre ich mich gegen weitere Einsätze sicher nicht.“ Für Nachwuchs in der Bundeswehr hat der Arzt auch schon gesorgt: Seine Tochter macht das, wogegen sich der Vater einst entschieden hatte. Sie ist Offizieranwärter im fliegerischen Dienst und wird derzeit an der Offizierschule der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck ausgebildet.
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