RESERVISTEN BEZIRK OBERFRANKEN
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14.12.2017 Reservistenkameradschaft Hof Truppenbesuch in Neuburg/Donau Im Rahmen der sicherheitspolitischen Arbeit des Verbandes der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. besuchten Mitglieder der Reservistenkameradschaften Hof gestern unter Führung von Stabsfeldwebel d.R. Jürgen Knieling das Taktische Luftwaffengeschwader 74 (TaktLwG74) in Neuburg an der Donau. Möglich wurde dieser Besuch auf Vermittlung von Oberstabsfeldwebel d.R. Robert Fischer – im Zivilberuf Geschäftsführer des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge – der seine regelmäßigen Reservistendienstleistungen in der Presseabteilung des Geschwaders absolviert. Dieser hatte im Rahmen eines sicherheitspolitischen Seminars in Himmelkron den teilnehmenden Reservisten der Bezirksgruppe Oberfranken diese Besuchsmöglichkeit angeboten. Knieling griff diese Möglichkeit auf und organisierte den Besuch beim Geschwader. Am Besuchstag traf die kleine Gruppe gegen 10:00 Uhr an der Wilhelm-Frankl-Kaserne ein. Bestens betreut wurden die Hofer von Leutnant Egner, der in seinem Einführungsvortrag über die Aufgaben und die Struktur des TaktLwG74 informierte. Auftrag Die Luftwaffe überwacht bereits im Frieden rund um die Uhr den Luftraum über Deutschland und sichert so die Souveränität und Unversehrtheit unseres Landes aus der Luft. Hierzu stellt das TaktLwG74 als eines der beiden mit diesem Auftrag betrauten fliegenden Verbände zwei Eurofighter mit zwei Piloten sowie Techniker und Flugbetriebspersonal an 365 Tagen im Jahr bereit. Diese Alarmrotten- oder im Militärjargon „Quick Reaction Alert“-Maschinen, kurz QRA, müssen spätestens 15 Minuten nach ihrer Alarmierung in der Luft sein, um auffällig gewordene Flugzeuge abzufangen und zu identifizieren. Der Hauptgrund für Einsätze der Alarmrotte sind Flugzeuge, die sich nicht gemäß den luftfahrtrechtlichen Vorgaben verhalten oder zu denen kein Funkkontakt besteht. Die Alarmrotte nähert sich dem Flugzeug und versucht über Funk oder mittels Sichtzeichen Kontakt zum Piloten aufzunehmen. Die Besatzung der Alarmrotte identifiziert das Flugzeug sowie mögliche Probleme der Maschine und meldet dies an den zuständigen Luftwaffengefechtstand für ggf. weitere Maßnahmen. Einsatzaufgaben Das TaktLwG74 stellt bei Bedarf Personal und Material für durch den Bundestag mandatierte Einsätze zur Verfügung. Zu den spezifischen Aufgaben des Verbandes gehören unter anderem: • Erlangen und Erhalten der Kontrolle des Luftraums durch Bekämpfen gegnerischer Flugzeuge • Bereitstellen von Eskorten zum Schutz eigener Kräfte gegen angreifende gegnerische Flugzeuge • Durchführen von Patrouillenflügen zur Überwachung des Luftraums durch Präsenz eigener Jagdflugzeuge Zudem beteiligt sich das Geschwader im Rahmen des erweiterten Aufgabenspektrums der Bundeswehr mit Einzelpersonalabstellungen an verschiedenen Auslandseinsätzen. Historie Das Jagdgeschwader 74 wurde am 5. Mai 1961 in Neuburg an der Donau mit Jagdflugzeugen vom Typ F-86 K Sabre in Dienst gestellt. Bereits nach 5 Monaten, am 4. Oktober 1961, erfolgte die Unterstellung des Verbandes unter die NATO und die Gestellung der Alarmrotte für den süddeutschen Raum. Im Mai 1964 erhielt der Verband sein zweites Einsatzflugzeugmuster, die legendäre F-104 G Starfighter. 10 Jahre später, im September 1974, erfolgte die Umrüstung auf das Waffensystem F-4 F Phantom. Am 18. April 1996 wurde die 300.000ste Gesamtflugstunde im Geschwader erreicht. Von 1973 bis 2005 führte das damalige Jagdgeschwader 74 den Traditionsnamen „Mölders“. Ebenfalls seit 1973 trägt der Stabs- und Unterkunftsbereich des Verbandes den Namen „Wilhelm-Frankl-Kaserne“ nach einem erfolgreichen Jagdflieger des Ersten Weltkriegs. Im Juli 2006 wurde das Geschwader als erster Einsatzverband der Luftwaffe mit dem Waffensystem Eurofighter ausgerüstet. Nach zwei Jahren Parallelflugbetrieb übernahm das Geschwader den Einsatzauftrag QRA mit dem Waffensystem Eurofighter. Im Jahre 2009 wurde in einer Veranstaltungsreihe gemeinsam mit der Stadt Neuburg das 50-jährige Jubiläum der Bundeswehr in der Garnisonsstadt Neuburg an der Donau gefeiert. Im gleichen Jahr wurde im Geschwader die 10.000ste Gesamtflugstunde des Eurofighter in der Luftwaffe feierlich begangen. Nach der Auflösung des Jagdbombergeschwaders 32 in Lechfeld übernahm das Jagdgeschwader 74 am 1. April 2013 die Verantwortung für den dortigen Flugplatz, der als Ausweichflugplatz genutzt wird. Am 1. Oktober 2013 wechselte der Verband seine Bezeichnung in „Taktisches Luftwaffengeschwader 74“. Diese Umbenennung weist auf die Mehrrollenfähigkeit des Waffensystems Eurofighter hin. Im Jahr 2016 hatte das TaktLwG 74 gleich drei Jubiläen vorzuweisen: Mit einem „Großen Zapfenstreich“ auf dem Karlsplatz in der Neuburger Altstadt und dem „Tag der Bundeswehr“ auf dem NATO-Flugplatz wurden 60 Jahre Luftwaffe, 55 Jahre Geschwader und 10 Jahre Flugbetrieb mit dem Eurofighter gefeiert. Der Verband war bereits mehrfach im Rahmen der Luftraumüberwachung über den baltischen Staaten sowie als Teil der NATO Response Force eingesetzt. Den Höhepunkt des Besuches bildete dann die Fahrt zur „Basis Zell“ mit Besichtigung des Flugbetriebes, der Wartungsbereiche, der Flughafenfeuerwehr und natürlich des Eurofighters. Dieses Flugzeug (im Sprachgebrauch der Bundeswehr Waffensystem) wird beim TaktLwG74 seit 2006 geflogen und kostet pro Stück mindestens 80 Mio. Euro. In Neuburg sind rund 30 dieser Waffensysteme stationiert. Der Eurofighter ist ein allwetterfähiges Mehrzweckkampfflugzeug, dessen Kampfbestimmung folgende operationelle Einsatzgebiete umfasst: Luftüberlegenheit und Luftraumüberwachung, Abfangjagd, Unterdrückung und Zerstörung von Luftverteidigungsanlagen, Luftnahunterstützung, Angriff zur See, Strategischer Angriff und Aufklärung. Wegen der flexiblen Auslegung können zukünftige Missionen und Rollen relativ einfach implementiert werden. Diese Flexibilität basiert auf fortschrittlicher Technik in den Bereichen Avionik, Sensorik und Waffenintegration. Das Kampfflugzeug ist damit in der Lage, nicht nur verschiedene Rollen wahrzunehmen, sondern diese auch während einer einzigen Mission zu wechseln. In der Rolle des Luftüberlegenheitsjägers, für die er ursprünglich ausschließlich konzipiert wurde, kann der Eurofighter seine extreme Manövrierfähigkeit sowie sein hohes Schub-Gewichts-Verhältnis voll ausspielen. Er kann mehrere feindliche Kampfflugzeuge gleichzeitig inner- wie außerhalb des sichtbaren Bereichs bekämpfen, darüber hinaus aber auch diverse Bodenziele auf unterschiedliche Weise angreifen. Für diese vielfältigen Aufgaben stehen – neben einer fest installierten 27-mm-Bordkanone – insgesamt 13 Außenlaststationen für verschiedenste Waffengattungen sowie Abwurftanks zur Verfügung. Ich danke ebenfalls allen Teilnehmern dieser Veranstaltung und allen Kameraden, die sich an diesem Tage, in ganz Deutschland, die Zeit für unsere gefallenen Kameraden nehmen und deren gedenken!

Auch den Start eines Eurofighters erlebten die Hofer Reservisten hautnah

Vor einer „ausgeschlachteten“ Phantom F4F, die im Jahr 2006 ihren „fly out“ hatte. Auf der Finne stehen die Worte „job well done“.

(vlnr) Bernd Hecke, Manfred Hofmann, Ewald Reichel, Brundhilde und Michael Schultz, Norbert Fleißner, Mario Stöckel und Jürgen Knieling

 

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